KKH neu im AMC: „Wir wollen Impulse einbringen und lernen“

Veröffentlicht am 12. Juni 2026

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse gehört mit rund 1,5 Millionen Versicherten zu den großen bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Sie wurde 1890 gegründet und bietet umfassende Leistungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung sowie vielfältige Zusatz- und Präventionsangebote. Als erste gesetzliche Krankenkasse ist sie im Mai 2026 dem AMC beigetreten.

Wir haben dazu mit Stephanie Engelmann, Vorständin und Ramona Neitz, Bereichsleiterin Markt der KKH gesprochen.


AMC: Stephanie, Ramona – die KKH ist der erste GKV-Partner des AMC. Was bedeutet dieser Schritt für euch?

Stephanie Engelmann: Für uns ist das ein ganz bewusster Schritt über den Tellerrand hinaus. Der AMC ist seit Jahren eine Plattform für Innovationen in Marketing und Vertrieb innerhalb der Versicherungsbranche, bislang ausschließlich durch private Versicherer vertreten. Themen wie Kundenzentrierung, Digitalisierung oder Markenführung sind für uns als gesetzlicher Krankenversicherer ebenfalls interessant.

Ramona Neitz: Aus Marketing- und Vertriebssicht ist der Austausch extrem wertvoll. Wir stehen als GKV oft vor anderen regulatorischen Rahmenbedingungen, aber die Herausforderungen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Vertrauen sind sehr ähnlich. Der AMC bietet uns die Möglichkeit für Dialog – und wir bringen die Perspektive von rund 1,5 Millionen Versicherten mit.

AMC: Wie ist die KKH aktuell in Marketing und Vertrieb aufgestellt?

Ramona Neitz: Wir haben in den letzten Jahren stark daran gearbeitet, Marketing und Vertrieb enger zu verzahnen. Früher waren das teilweise getrennte Welten – heute denken wir viel stärker entlang der Customer Journey. Das heißt konkret: Wir verbinden klassische Vertriebskanäle wie unsere Servicezentren und den Außendienst mit digitalen Touchpoints, etwa unserer Website, App oder Social Media. Gleichzeitig setzen wir stärker auf datenbasierte Steuerung, um unsere Maßnahmen gezielter auszurichten.

Stephanie Engelmann: Ergänzend dazu haben wir auch organisatorisch einiges verändert. Wir arbeiten interdisziplinärer, schneller und projektorientierter. Der Anspruch ist, näher an den Bedürfnissen unserer Versicherten zu sein. Gerade im Vertrieb bedeutet das auch, individueller zu beraten und echte Mehrwerte aufzuzeigen.

AMC: Wie würdet ihr die aktuelle Wettbewerbssituation im GKV-Markt beschreiben?

Stephanie Engelmann: Der Wettbewerb ist intensiv – und er hat sich verändert. Früher ging es vor allem um Beitragssätze und Basisleistungen, heute haben Servicequalität, Zusatzangebote und Markenwahrnehmung wesentlich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig stehen alle Kassen unter einem enormen Kostendruck, was die Spielräume begrenzt.

Ramona Neitz: Aus Vertriebs- und Marketingsicht ist es spannend zu sehen, wie stark sich die Differenzierung über emotionale Themen entwickelt hat. Gesundheit ist ein sehr persönliches Gut, und Vertrauen ist entscheidend. Deshalb investieren viele Kassen in ihre Markenarbeit. Gleichzeitig müssen wir sehr effizient arbeiten, weil wir im Gegensatz zur privaten Wirtschaft nicht frei in der Budgetgestaltung sind und die Mittel letztlich aus Beiträgen stammen.

AMC: Welche Rolle spielt die Digitalisierung in eurem Marketing- und Vertriebsansatz?

Ramona Neitz: Eine zentrale Rolle. Unsere Versicherten erwarten heute, dass sie viele Anliegen digital und möglichst unkompliziert erledigen können. Das betrifft nicht nur Services, sondern auch die Kommunikation. Wir setzen verstärkt auf personalisierte Ansprache, automatisierte Prozesse und nehmen auch digitale Beratungsmöglichkeiten in den Blick. Gleichzeitig darf man nicht vergessen: Viele Menschen wünschen sich nach wie vor persönliche Ansprechpartner. Deshalb setzen wir bewusst auf eine hybride Strategie – digital, wo es sinnvoll ist, und persönlich, wo es gewünscht wird.

AMC: Wie schätzt ihr die zukünftige Entwicklung der Sozialversicherung insgesamt ein?

Stephanie Engelmann: Wir stehen vor großen Herausforderungen. Der demografische Wandel und steigende Gesundheitskosten setzen das System unter Druck. Gleichzeitig erwarten die Versicherten eine hochwertige Versorgung. Wir müssen uns auf strukturelle Veränderungen einstellen – sowohl in der Finanzierung als auch in der Organisation der Versorgung. Für uns bedeutet das auch, dass wir unsere Rolle weiterentwickeln müssen. Wir sind nicht nur Kostenträger, sondern zunehmend auch Gesundheitslotsen. Prävention und Gesundheitsförderung werden noch wichtiger werden, und auch hier spielt Kommunikation eine entscheidende Rolle.

AMC: Was verspricht sich die KKH konkret davon, Partner des AMC zu sein?

Ramona Neitz: Vor allem Inspiration und Austausch. Der AMC bringt viele innovative Ansätze aus der Versicherungswirtschaft zusammen – sei es im Bereich Customer Experience, Markenführung, datengetriebenes Marketing oder Vertriebsstrategien. Davon können wir profitieren.

Stephanie Engelmann: Und wir wollen auch etwas zurückgeben. Die gesetzliche Krankenversicherung hat eigene Stärken und Perspektiven, die für andere spannend sein können. Gerade wenn es um Themen wie Solidarität, Versorgungssicherheit oder gesellschaftliche Verantwortung geht. Wir möchten vor allem einen Austausch zu Angeboten rund um das Betriebliche Gesundheitsmanagement, Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und Präventionsangeboten fördern, da wir hier auch für die anderen Partner des AMC einen großen Vorteil sehen.

AMC: Gibt es konkrete Themen, die ihr in den AMC einbringen möchtet?

Ramona Neitz: Ja, definitiv. Zum einen genau das, was Stephanie eben benannt hat. Zum anderen ist ein Thema die Frage, wie man unter starken regulatorischen Rahmenbedingungen trotzdem innovative Marketingansätze entwickeln kann. Ein weiteres ist die Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen bei einem sehr komplexen Thema wie der Gesundheitsförderung – vom jungen Digital Native über zu älteren Versicherten hin zu B2B-Ansprachen.

Stephanie Engelmann: Und das Thema Vertrauen. Gerade im Gesundheitsbereich ist Vertrauen die zentrale Währung. Wie baut man das auf, wie erhält man es – und wie misst man es überhaupt? Das sind Fragen, die uns sehr beschäftigen.

AMC: Was können privatwirtschaftliche Versicherer möglicherweise von einem gesetzlichen Krankenversicherer lernen?

Stephanie Engelmann: Vielleicht den langfristigen Blick. Wir denken stark in nachhaltigen Beziehungen. Unsere Versicherten bleiben oft viele Jahre oder sogar Jahrzehnte bei uns – das prägt unsere Strategien. Und möglicherweise auch den Fokus auf Prävention. Natürlich ist das vor allem im privaten Bereich ein Thema, doch bei uns ist es tief im System verankert. Wir investieren bewusst in Maßnahmen, die Krankheiten verhindern, bevor sie entstehen.

AMC: Und umgekehrt – was kann die KKH von privaten Versicherern lernen?

Ramona Neitz: Geschwindigkeit und Innovationskraft. Private Versicherer sind oft schneller darin, neue Produkte oder Services auf den Markt zu bringen. Da können wir uns durchaus etwas abschauen.

Stephanie Engelmann: Und auch im Bereich der Individualisierung. Wir sind Teil der Sozialversicherung und vertreten ihre Grundsätze, das ist ganz klar. Und dennoch, die Erwartungen der Kunden steigen, und wir müssen Wege finden, trotz unserer Rahmenbedingungen stärker auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.

AMC: Wie sieht eure Vision für die KKH in den nächsten Jahren aus?

Stephanie Engelmann: Wir wollen eine moderne, leistungsstarke Krankenkasse sein, die ihre Versicherten aktiv begleitet – nicht nur im Krankheitsfall, sondern auch präventiv. Gleichzeitig möchten wir wirtschaftlich stabil bleiben und unseren Beitrag zu einem funktionierenden Gesundheitssystem leisten.

Ramona Neitz: Und aus Marketingsicht heißt das: eine starke, vertrauenswürdige Marke, die nah an den Menschen ist. Wir wollen verstanden werden – und wir wollen einen echten Unterschied im Alltag unserer Versicherten machen. Denn: Die KKH weiß, was Gesundheit ausmacht.